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2026-04-09 11:24:56 +02:00

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IT2222 Netzwerktechnik

Dozentin: Gabriele Schrenk | HWR Berlin | 17. & 19.02.2026


1. Netzwerkgrundlagen

Ein Netzwerk ist ein Verbund zur Datenkommunikation, der den Datenaustausch zwischen Knoten (Stationen) ermöglicht.


2. Netzwerk-Komponenten

Komponente Funktion
Repeater Verstärkt und überträgt Signale zwischen zwei Netzsegmenten
Hub Verbindet mehrere Geräte (physikalischer Ring, virtueller Bus) veraltet
Bridge Verbindet zwei Netzwerke veraltet
Switch Verbindet mehrere Netzsegmente kollisionsfrei
Router Verbindet mehrere Netze miteinander
Gateway Wandelt Protokolle um

3. Adressierungsarten

  • Unicast Adressierung an genau einen Empfänger; bidirektionale Kommunikation; Punkt-zu-Punkt
  • Broadcast Sendet an alle Systeme eines Netzabschnitts; Punkt-zu-Mehrpunkt
  • Multicast Sendet an eine definierte Gruppe mit verschiedenen Adressen; unidirektional, Punkt-zu-Mehrpunkt
  • Anycast Eine einzelne IP-Adresse wird von mehreren Servern geteilt; unidirektional, Punkt-zu-Punkt (nächster verfügbarer Server antwortet)

4. Netzwerk-Topologien

Physikalische vs. Logische Topologie

  • Physikalisch: Wie Geräte physisch über ein Medium verbunden sind
  • Logisch: Wie Komponenten miteinander kommunizieren

4.1 Bus-Topologie

  • Einsatz: industrielles Umfeld (z. B. Automotive)
  • Punkt-zu-Mehrpunkt-Verbindung; Abschlusswiderstand an Kabelenden erforderlich

Vorteile: Knotenausfall beeinflusst das Netz nicht · geringe Kosten · einfache Verkabelung · keine aktiven Netzkomponenten

Nachteile: Leicht abhörbar (Verschlüsselung nötig) · defektes Kabel blockiert den gesamten Netzstrang · Datenstau möglich

4.2 Stern-Topologie

  • Punkt-zu-Punkt-Verbindung mit zentralem Knoten (Switch/Hub)

Vorteile: Knotenausfall beeinflusst das Netz nicht · hohe Übertragungsraten (mit Switch) · leicht erweiterbar · leicht verständlich

Nachteile: Ausfall des zentralen Verteilers legt das gesamte Netz lahm · niedrige Übertragungsraten wenn Hub statt Switch verwendet wird

4.3 Baum-Topologie

  • Punkt-zu-Punkt-Verbindung, hierarchisch gegliedert (Wurzel → Äste → Blätter)

Vorteile: Knotenausfall beeinflusst das Netz nicht · strukturell erweiterbar · große Entfernungen realisierbar

Nachteile: Ausfall eines Verteilers legt den gesamten „Ast" lahm · Engpässe an der Wurzel · Latenzprobleme

4.4 Leaf-Spine-Architektur (Data Center)

  • Modernes Rechenzentrum-Design mit zwei Ebenen: Spine-Switches (Kern) und Leaf-Switches (Zugang)

Vorteile: Sehr leistungsfähig · hohe Skalierbarkeit · komplett redundant

Nachteile: Hoher Verkabelungsaufwand · hohe Anzahl an Switches · komplexe Auslastungsberechnung bei mehreren Herstellern

4.5 Maschen-Topologie (Mesh)

  • Jeder Knoten hat mindestens einen Link zu anderen Knoten; vollvermaschtes Netz ermöglicht Umleitung bei Knotenausfall

Vorteile: Sehr sicher · sehr leistungsfähig · keine Streckenführung nötig (vollvermascht)

Nachteile: Hoher Verkabelungsaufwand · hoher Energieverbrauch · komplexe Streckenführung (teilvermascht)

4.6 Zell-Topologie (z. B. WLAN)

  • Punkt-zu-Mehrpunkt-Verbindung; drahtloses Netz

Vorteile: Knotenausfall beeinflusst das Netz nicht · kabellos

Nachteile: Unsicher (Verschlüsselung erforderlich) · störanfällig · begrenzte Reichweite


5.1 Funktionsweise eines Switches

Ein Switch nutzt einen internen Speicher (Memory/CAM-Tabelle), um Datenpakete gezielt weiterzuleiten ähnlich einem Kreisverkehr, der Fahrzeuge in die richtige Richtung schickt.

5.2 Switch-Funktionalität

  • Lernen: Pflegt eine Adresstabelle pro Interface; merkt sich MAC-Quelladressen
  • Unicast: Weiterleitung an das Interface, dessen Zieladresse in der Tabelle steht
  • Broadcast: Weiterleitung an alle Interfaces
  • Flooding: Weiterleitung an alle Interfaces, wenn die Zieladresse noch nicht in der Tabelle ist

5.3 Ethernet-Rahmenformat

Ein Ethernet-Frame besteht aus folgenden Feldern:

Feld Größe Bedeutung
Preamble 8 Byte Bitmaske (010101...) zur Synchronisierung
Destination Address 6 Byte Ziel-MAC-Adresse
Source Address 6 Byte Quell-MAC-Adresse
Type/Length 2 Byte DIX Typfeld oder IEEE 802.2 Länge
DATA 461500 Byte Nutzdaten
CRC 4 Byte 32-Bit-Prüfsumme über Header und Daten

5.4 Ethernet-Adressierung (MAC-Adresse)

  • Jedes Ethernet-Interface hat eine eindeutige 48-Bit-Adresse (MAC-Adresse)
  • Darstellung: hexadezimal, z. B. 00:80:48:E8:71:47
  • Aufbau: OUI (Organizationally Unique Identifier, 24 Bit, vom Hersteller) + OUI-owner assigned number (24 Bit, Gerätenummer)
  • Broadcast-Adresse: FF:FF:FF:FF:FF:FF → jedes Interface verarbeitet diesen Frame

6. IP-Adressierung (Layer 3)

  • IP-Adressen sind 32 Bit lang (4 Byte)
  • Darstellung: punktgetrennte Dezimalzahlen (z. B. 131.108.122.204)
  • Bestehen aus Netzanteil und Hostanteil
  • Ergänzt durch symbolische Namen (DNS)

Beispiel:

Binär:  10000011 01101100 01111010 11001100
Dezimal:  131   .  108   .  122   .  204

7. ARP Address Resolution Protocol

  • Verbindet Layer-2-Adressen (MAC) mit Layer-3-Adressen (IP)
  • Wird für IP-Adressen im gleichen Subnetz per Broadcast verwendet
  • Für IP-Adressen in anderen Subnetzen wird die MAC-Adresse des Gateways verwendet

ARP-Ablauf

  1. ARP-Request (Broadcast): „Welche MAC-Adresse hat IP 172.16.3.2?"
  2. Zielhost erkennt seine IP-Adresse und antwortet
  3. ARP-Reply (Unicast): „Meine MAC-Adresse ist 0800.0020.1111"
  4. Sender trägt die Zuordnung in seine ARP-Tabelle ein

Sicherheitshinweis

  • ARP-Antworten werden nicht überprüft → Angriff durch ARP-Spoofing möglich!

Vollständiges Paket benötigt 4 Adressen:

  • Quell-MAC-Adresse
  • Ziel-MAC-Adresse
  • Quell-IP-Adresse
  • Ziel-IP-Adresse

8. ICMP Internet Control Message Protocol

  • Zweck: Informiert über Fehlerzustände im Netz und liefert rudimentäre Statusinformationen
  • ICMP ist ein Kontrollprotokoll, nicht für Datentransport gedacht
  • Bei Verlust von ICMP-Paketen erfolgt kein automatischer Neuversand

Beispiele für ICMP-Einsatz

  • Datagramm erreicht sein Ziel nicht
  • Router kann ein Paket nicht weiterleiten
  • Router kennt einen kürzeren Weg (Redirect)

ICMPv4 (RFC 792)

  • Layer-3-Protokoll; verbindungslos
  • Verwendet IP für die Kommunikation

ICMP-Header (32 Bit):

Feld Größe
Typ-Feld 8 Bit
Code-Feld 8 Bit
Checksumme 16 Bit

ICMP Echo Request / Reply (Ping)

  • Sender schickt einen ICMP Echo-Request
  • Empfänger sendet die Daten identisch zurück (Echo-Reply)
  • Einfachste Methode zur Verbindungsprüfung
  • Im Fehlerfall werden ICMP-Fehlerpakete gesendet

ICMP Timestamp

  • Dient der Laufzeitprüfung zwischen zwei Systemen
  • Sender überträgt die Absendezeit in Millisekunden nach Mitternacht
  • Empfänger trägt Empfangszeit und Absendezeit für den Rückweg ein (eliminiert interne Verarbeitungsverzögerung)

Schnellreferenz: Schlüsselbegriffe

Begriff Bedeutung
MAC-Adresse Eindeutige 48-Bit-Hardware-Adresse (Layer 2)
IP-Adresse 32-Bit-logische Adresse (Layer 3)
ARP Auflösung von IP → MAC im lokalen Netz
ICMP Kontrollprotokoll für Fehler und Diagnosemeldungen
Switch Layer-2-Gerät zur kollisionsfreien Segmentierung
Router Layer-3-Gerät zur Verbindung verschiedener Netze
Broadcast Nachricht an alle Teilnehmer im Netzabschnitt
Flooding Switch leitet weiter, wenn Ziel-MAC unbekannt
OUI Herstellerkennung in der MAC-Adresse
CRC Prüfsumme zur Fehlererkennung im Ethernet-Frame
TTL Time to Live begrenzt Lebensdauer von IP-Paketen