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NW8 – Zusammenfassung
IT2221 Netwerktechnik | Dozentin: Gabriele Schrenk | 10.04.2026
Themen: Segment Routing (Fortsetzung), Flex Algo, Ausfallsichere Netze, Verfügbarkeit in Netzen
1. Segment Routing
1.1 Was ist Segment Routing?
Source Routing:
- Der Ingress-Knoten (Eingangsrouter) wählt den gesamten Pfad durch das Netz
- Der Weg wird nicht „Hop by Hop" von jedem Router neu berechnet, sondern vom ersten Router festgelegt
- Der Pfad wird als geordnete Liste von Segmenten dargestellt
Segment:
- Eine Anweisung für den Router, z.B. „Sende zum Knoten X über den kürzesten Pfad"
- IGP-Segment: Prefix-/Node-SID (global), Adjacency-SID (lokal)
Data Plane Agnostic:
- Nutzt vorhandene Data Planes (MPLS oder IPv6) und Routing-Protokolle (IS-IS, OSPF)
1.2 Segment Routing Vorteile
| Bereich | Vorteil |
|---|---|
| Control Plane Vereinfachung | Weniger Protokolle, weniger Abhängigkeiten, automatischer Traffic-Schutz ohne Flow-Signalisierung |
| Traffic Engineering | Keine zustandsbehafteten Einträge pro Flow im Kernnetz; Pfade werden automatisch berechnet oder durch Controller vorgegeben |
| Software-Defined Networking | Weiterentwicklung bestehender Technik; hybrider Ansatz (zentralisiert + verteilt); Netzprogrammierbarkeit über Southbound-Schnittstellen (z.B. PCEP) |
PCEP = Path Computation Element Communication Protocol – standardisiertes IETF-Protokoll, genutzt vom SDN-Controller (PCE) zur Pfadberechnung.
1.3 Standardisierung
- IETF Working Group: SPRING (Source Packet Routing in Networking)
- Architektur: RFC 8402, RFC 9256
- SR-MPLS: RFC 8660
- SRv6: RFC 9886
- Protokollerweiterungen in weiteren Working Groups: SPRING, PCE, IDR, 6MAN
1.4 Building Blocks: IGP Segments – SR-MPLS
Prefix/Node Segment (global)
- Global gültig in der gesamten SR-Domäne – jeder Router versteht die SID gleich
- Routing zum Prefix/Knoten über den kürzesten IGP-Pfad (SPF)
- Wird als relativer Wert (Index) angekündigt → Offset vom SRGB-Basiswert
- SID-Bereich: SRGB ab 16.000 (Segment Routing Global Block)
- Beispiel: SRGB [16.000–23.900] + Index 41 = Label 16.041
Adjacency Segment (lokal)
- Nur lokal auf dem vergebenden Knoten gültig
- Leitet das Paket explizit über eine bestimmte Nachbarverbindung weiter (Source Routing)
- Wird als absoluter Wert angekündigt (direkt die Label-/SID-Nummer, kein Index)
- Beispiel: Adj-SID = 9107
Zusammenfassung SID-Berechnung:
- Prefix-SID:
SRGB-Basis + Index(z.B. 16.000 + 41 = 16.041) - Adj-SID: absoluter Wert direkt = Label-Nummer (z.B. 9107)
1.5 Building Blocks: IGP Segments – SRv6
- Kein SRGB mehr – stattdessen 128-Bit-IPv6-Adressen als SIDs
- IPv6-Adressen sind global eindeutig und im gesamten Netz routbar → kein reservierter Label-Block nötig
- SID-Typen in SRv6:
- Adjacency-SID:
End.X-SID - Node-SID:
End-SID - Prefix-SID:
End.DT4/End.DT6
- Adjacency-SID:
1.6 SR-MPLS Data Plane
- SR-MPLS nutzt die MPLS-Weiterleitungsebene (gemäß RFC 8660), Standard-MPLS-Header
- Segmente werden als MPLS-Labels kodiert
- Jede SID ist ein MPLS-Label aus dem SRGB
- Die Segmentliste = MPLS-Label-Stack
- Forwarding:
- Headend-Router schreibt den vollständigen SR-Label-Stack aufs Paket
- Ausgangsrouter entfernt das letzte SR-Label
- Koexistenz mit klassischem MPLS: SR- und LDP-Tunnel können koexistieren
1.7 SRv6: Segment Routing über IPv6
- SRv6 = Segment Routing over IPv6 (RFC 8986)
- Nutzt Standard-IPv6-Forwarding-Plane mit optionalem Segment Routing Header (SRH)
- Jede SID wird als IPv6-Adresse kodiert (nicht als MPLS-Label)
- SID-Struktur:
Locator :: Funktion :: Argumente- Locator: identifiziert den Knoten/Standort
- Funktion: definiert das auszuführende Verhalten
- „Network Programming": Jede SID repräsentiert ein Verhalten, nicht nur den nächsten Hop
1.8 Klassisches MPLS vs. Segment Routing
| Aspekt | Classic MPLS | Segment Routing |
|---|---|---|
| Pfadaufbau | LSPs über LDP/RSVP-TE | Segmentliste am Ingress-Router |
| Control Plane | IGP + LDP + RSVP-TE | IGP/BGP (kein separates LDP nötig) |
| State im Core | Pro Flow (viel State) | Nur am Ingress (generische SIDs) |
| Traffic Engineering | Separate TE-LSPs via RSVP-TE | Integriert über Segmentlisten |
1.9 Segmenttypen und SID-Verteilung
| SID-Typ | Beschreibung |
|---|---|
| Node/Prefix-SID | Shortest-Path-Route zu einem Knoten oder Prefix |
| Adjacency-SID | Spezifischer ausgehender Link zwischen Knoten |
| Binding-SID | Repräsentiert einen kompletten vorberechneten Pfad oder eine Policy mit einer einzigen SID |
SID-Verteilung:
- IGPs (IS-IS, OSPF) und BGP weisen SIDs zu (über standardisierte Erweiterungen)
- SR-MPLS: SIDs sind MPLS-Labels im SRGB
- SRv6: SIDs sind IPv6-Adressen
1.10 Building Blocks: Node-SID, Adjacency-SID, Explicit Path
Node-SID:
- Weiterleitung entlang des kürzesten IGP-Pfades
- Nutzung des ECMP-Lastausgleichs
- Swap-Operation im Core; vorletzte Hop: Pop-Operation (PHP)
Adjacency-SID:
- Weiterleitung entlang der IGP-Nachbarschaft
- Pop-Operation; vorletzte Hop entfernt immer die letzte Adjacency-ID
Explicit Path:
- Weiterleitung basierend auf dem Label-Stack
- Per-Flow-Status nur am Eingangs-SR-Knoten
- Kombination aus Node-SIDs und Adj-SIDs im Stack
1.11 SRGB (Segment Routing Global Block)
- Node-SID wird als relativer Index-Wert angegeben
- Index = Offset vom SRGB-Basiswert → global eindeutig
- SRGB-Wert kann zwischen Knoten variieren
- Beispiel: Knoten A: SRGB [30.000–30.900], Knoten B: SRGB [16.000–23.900]
- Node-SID-Index 41 → bei A: Label 30.041, bei B: Label 16.041
1.12 Vergleich SR-MPLS vs. SRv6
| Beschreibung | SR-MPLS | SRv6 |
|---|---|---|
| Identifier | 20-Bit MPLS Label | 128-Bit IPv6-Adresse (SID) |
| Kompletter Pfad | MPLS Label Stack | IPv6 Header + Segment Routing Header |
| Mapping | Label zeigt auf IP-Adresse | Adresse enthält die Anweisungen selbst |
| Protokoll/Hardware | MPLS mit Labelzuweisung | Plain IPv6 |
| Use Case | Upgrade bestehender Netze | Neue Netze komplett auf IPv6 |
SRv6 IPv6-Adressstruktur:
- Locator: routbarer Teil der Adresse
- Function: z.B. Paket an Interface A senden oder in VRF A weiterleiten
- Arguments: Zusatzinfos wie Flow-Parameter, Multicast-Infos
2. Flex Algo (Flexible Algorithm)
2.1 Einführung
- Schlüsseltechnologie für moderne WAN und Rechenzentren
- Erlaubt dem Routing-Protokoll (OSPF/IS-IS) automatisch mehrere „logische Topologien" auf derselben physischen Infrastruktur zu berechnen (Network Slicing)
- Kein zentraler Controller für Pfadberechnung nötig (im Gegensatz zu RSVP-TE)
Warum Flex Algo?
- Automatisches Traffic Engineering: Pfadberechnung basierend auf Latenz statt nur Bandbreite (wichtig für Cloud-Gaming, autonomes Fahren)
- Network Slicing für 5G & AI: Dedizierte virtuelle Netzwerke (Low-Latency-Slice, High-Throughput-Slice)
- Intelligenz liegt direkt in den Routern
2.2 Flex Algo – Funktion & Ablauf
- Flexible Algorithm Definition (FAD):
- Betreiber definiert einen oder mehrere Flex-Algorithmen (IDs 128–255)
- Parameter: Metriktyp (IGP, TE, Latenz), ein-/ausgeschlossene Linkfarben (Colors)
- Ausgewählte Knoten veröffentlichen FADs im IGP → führen separate SPF-Berechnungen pro Flex-Algo durch
- Jeder Knoten berechnet Pfad mit Berücksichtigung der Einschränkung
- Knoten veröffentlichen Präfix-SIDs/SRv6-Locators pro Flex-Algorithmus
- Ein Knoten kann mehrere SIDs haben (z.B. Standard + Low Latency)
- IGP stellt automatisch TE-optimierte Pfade für jeden Flex-Algo bereit → Weiterleitung durch Segment Routing
Verbindung zu SR: Flex Algo integriert sich in SR-MPLS und SRv6 durch Algorithm-Specific SIDs/Locators.
2.3 Flex Algo – Typische Use Cases
- Algo 0: Default best-effort (Standard IGP Metrik)
- Algo X: Low-Latency oder Low-Delay Slice
- Algo Y: Pfad zur Vermeidung spezifischer Links oder Knoten
- Einfaches Traffic Engineering ohne vollständigen SR-TE-Controller
- Verwendung von Flex-Algo-spezifischen SIDs in SR-Richtlinien und TI-LFA-Backup-Pfaden
3. Ausfallsichere Netze
3.1 UPA – Unreachable Prefix Announcement
- Was ist UPA? Eine IGP-Funktion, die den Verlust der Erreichbarkeit eines Präfixes explizit ankündigt
- Ziel: Remote-Router sollen den Traffic schnell von einem ausgefallenen Ausgangspunkt umleiten – auch wenn eine Präfix-/Locator-Zusammenfassung verwendet wird
Funktionsweise auf IGP-Ebene:
- Wenn ein ABR/ASBR feststellt, dass ein Präfix nicht mehr erreichbar ist → erzeugt eine UPA für dieses Präfix
- UPA wird wie eine normale IGP-Ankündigung über alle Bereiche verteilt
- Zwischenrouter leiten UPA weiter; nur ABRs und Ingress-PEs müssen reagieren
Warum UPA notwendig ist:
- Ingress-PEs empfangen UPA → markieren das Ausgangspräfix als nicht erreichbar
- Löst schnelles BGP FRR (Fast ReRoute) für Routen aus, die diesen Ausgangspunkt nutzen
- Verhindert langes Blackholing bei SR-Ausgang hinter Route Summarization
3.2 Baseline Fast Convergence: BFD und BGP PIC
BFD (Bidirectional Forwarding Detection):
- Schnelle Fehlererkennung, oft unter 50 ms, unabhängig von IGP/BGP-Hello-Timern
- BFD-Sitzungen sind an IGP-Nachbarschaften, BGP-Sitzungen und SR-Tunnel gebunden
BGP PIC (Prefix Independent Convergence):
- Berechnet Backup-Next-Hops im RIB/FIB vor
- Bei Next-Hop- oder Egress-Fehler: nur kleine Zeigeränderung (Pointer auf die Route) → nicht alle Präfixe neu verarbeiten
- Core-/Edge-PE-Fehler oder Next-Hop-Verlust → schnelle Umschaltung auf Backup-Pfad
- Unerlässlich für Hochverfügbarkeit von L3VPN-, EVPN- und Internetdiensten über SR-Pfade
3.3 IGP Fast Reroute: LFA und Remote-LFA
Ziel von IGP Fast Reroute (FRR):
- Lokaler Schutz: Umleitung bei Ausfall innerhalb von Millisekunden, vor vollständiger IGP-Konvergenz
- Schutz wird pro primärem Next-Hop vorab berechnet
Loop-Free Alternates (LFA):
- LFA wählt einen Nachbarn als Backup-Next-Hop, sofern die Schleifenfreiheitsbedingung erfüllt ist
- Remote-LFA erweitert LFA: Datenverkehr über Backuptunnel zu einem PQ-Knoten
- P-Space = Source Side
- Q-Space = Destination Side
Interaktion mit Segment Routing:
- SR-SIDs/Labels können als Backup-Tunnel verwendet werden
- TI-LFA (Topology-Independent LFA) verallgemeinert dies für SR
3.4 TI-LFA: Topology-Independent LFA
- Fast-Reroute-Mechanismus für IS-IS/OSPF
- Berechnet SR-Backuppfade (Segmentlisten) vorab
- Lokale Reparatur in SR-MPLS- und SRv6-Netzwerken unter 50 ms
Funktionsweise:
- Für jeden primären Next-Hop: Router berechnet Shortest Path Tree, der die geschützte Ressource (Link/Knoten) ausschließt
- Backuppfad wird als SR-Segmentliste (MPLS-Labels oder SRv6-SIDs) kodiert und vorab in die FIB eingetragen
- Im Fehlerfall: Router greift auf vorinstallierte SR-Backupliste zurück
Vorteile gegenüber klassischem LFA/Remote-LFA:
- Einheitlicher Mechanismus
- Integration mit Traffic Engineering (TE) & Flex Algo
3.5 Koexistenz von MPLS und Segment Routing
- Viele SP- und DC-Backbones nutzen LDP/RSVP-TE über MPLS mit VPN/EVPN-Diensten → stabil, aber betrieblich komplex
- Betreiber wünschen SR-MPLS/SRv6 für einfacheres TE, Automatisierung, bessere Hochverfügbarkeit
- Koexistenz ist der erste Schritt:
- MPLS-Architektur ermöglicht gleichzeitigen Betrieb mehrerer Label-Control-Planes
- Interworking-Mechanismen für Datenverkehr zwischen SR- und Legacy-MPLS-Tunneln
3.6 MPLS LFIB mit Segment Routing
- LFIB (Label Forwarding Information Base) wird über IGP (IS-IS/OSPF) zugewiesen
- Forwarding-Tabelle bleibt konstant (Nodes + Adjacencies), unabhängig von der Pfadanzahl
- Alle MPLS-Dienste (IPv4, IPv6, VPWS, VPLS, IPv4 VPN, IPv6 VPN) können ohne Änderungen an Control/Forwarding-Plane genutzt werden
3.7 SRv6–MPLS Service Interworking Gateway
- Ein Gateway-Router, der sowohl BGP-SRv6-basierte als auch BGP-MPLS-basierte L2/L3-Dienste für dieselbe Serviceinstanz unterstützt
- Grenze zwischen SRv6-Domäne und MPLS/SR-MPLS-Domäne
- Genutzt für L3VPN, EVPN-L3, EVPN VPWS während der Migration
- Das Gateway baut BGP-Sitzungen zu beiden Seiten auf und installiert/kündigt Präfixe mit dem jeweils anderen Kapselungstyp an
4. Verfügbarkeit in Netzen – Berechnung
4.1 Steigerung der Verfügbarkeit
Ausfallsicherheit der Komponenten erhöhen:
- Redundante Komponenten und Spannungsversorgung
- USV (Unterbrechungsfreie Stromversorgung)
- Regelmäßige Wartung, Hot-Plugging, kontrollierte Umgebungsbedingungen
Ausfallzeit reduzieren:
- Ersatzteile bevorraten, Überwachung, Wartungsverträge
Netztopologie:
- Logische Funktionsblöcke (Cluster), redundante Netzwerkpfade, Layer 2 oder Layer 3 Anbindung
First Hop Redundancy:
- Redundanz im Access Layer, Kombination mit redundanten Netzwerkpfaden
Routing-Protokolle:
- Protokollauswahl mit Berücksichtigung der Wiederherstellungszeiten
4.2 Hochverfügbarkeit – Tabelle der „Nines"
| Anzahl 9s | Verfügbarkeit (%) | Ausfallzeit/Jahr | Ausfallzeit/Monat |
|---|---|---|---|
| 1 | 90% | 36,5 Tage | 72 Stunden |
| 2 | 99% | 3,65 Tage | 7,2 Stunden |
| 3 | 99,9% | 8,76 Stunden | 43,8 Minuten |
| 4 | 99,99% | 52,56 Minuten | 4,38 Minuten |
| 5 | 99,999% | 5,26 Minuten | 26,3 Sekunden |
| 6 | 99,9999% | 31,5 Sekunden | 2,59 Sekunden |
Formel: Maximale Ausfallzeit pro Jahr = (1 – Verfügbarkeit) × Gesamtzeit
4.3 Berechnung der Hochverfügbarkeit
Gesamtzeit:
- 365 Tage = 8.760 Std. = 525.600 Min. = 31.536.000 Sek.
Beispiel: 99,9% Verfügbarkeit
- Ausfallzeit/Jahr: (1 – 0,999) × 8.760 Std. = 8,76 Stunden
- Ausfallzeit/Monat: (1 – 0,999) × 730 Std. = 0,73 Std. = 43,8 Minuten
4.4 Wartungsfenster
- Geplante Zeiträume, in denen Systeme offline sind (Wartung, Upgrades)
- Perioden sind geplant und im Voraus angekündigt
- Unternehmen rechnen Verfügbarkeit inkl. Wartung
- SLA-Beispiel:
- Wartung: 2 Std./Monat = 24 Std./Jahr
- Ungeplante Ausfallzeit: 10 Std./Jahr
- Gesamte Ausfallzeit: 34 Stunden/Jahr
- Verfügbarkeit: (1 – (34/8760)) × 100 = 99,61%
4.5 MTBF und MTTR
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| MTBF (Mean Time Between Failures) | Durchschnittliche Zeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden Ausfällen; Maß für Zuverlässigkeit |
| MTTR (Mean Time to Repair) | Durchschnittliche Zeit zur Reparatur und Wiederinbetriebnahme nach einem Ausfall |
| Ausfallzeit | Zeit, in der ein System nicht betriebsbereit ist (setzt sich aus MTBF und MTTR zusammen) |
| Gesamte Ausfallzeit | Anzahl der Ausfälle × MTTR |
Verfügbarkeitsformel:
V (%) = (1 – (Gesamte Ausfallzeit / Gesamtzeit)) × 100
Beispielrechnung:
- MTBF: 200 Std., MTTR: 2 Std., Ausfälle/Jahr: 10
- Gesamte Ausfallzeit: 10 × 2 = 20 Stunden
- V (%) = (1 – (20 / 8760)) × 100 = ≈ 99,77%
4.6 Aufgabe: Berechnung Verfügbarkeit
Vorgabe: Netz darf maximal 8 Std./Jahr ausfallen
- 8 Std. = 28.800 Sek.
- 28.800 / 31.536.000 = 0,00091 → maximale Ausfallzeit = 0,09%
- Erforderliche Verfügbarkeit: ≥ 99,91%
Bestandteile der Gesamtausfallzeit (Total Service Downtime):
- Failure Detection Time
- Notification Time
- Diagnosis Time
- Dispatch Time
- Arrival Time
- Repair Time
- Up Time
4.7 Realisierung von Verfügbarkeit durch Redundanz
Durch mehr Redundanz im Netz steigt die Verfügbarkeit stark:
- Einfache Topologie (1 Core-Router): 99,938% → 325 Min/Jahr Ausfallzeit (bei MTTR 4 Std.)
- Doppelte Core-Router: 99,961% → 204 Min/Jahr
- Vollredundante Topologie (2 Core + 2 Distribution): 99,9999% → 30 Sek/Jahr
4.8 Redundante Netzwerkpfade
- Analyse der Netztopologie: Welche Redundanzen, auf welcher OSI-Schicht?
- Vermeidung von Single Points of Failure
- Einsatz auf Layer 2 (Switches) und Layer 3 (Router)
Logische Funktionsblöcke (3-Layer-Modell):
- Access Layer: Endgeräte-Anbindung
- Distribution Layer: Aggregation, Richtlinien
- Core Layer: Hochgeschwindigkeits-Backbone
4.9 Ausfallsicherheit: Link Aggregation
- Standard: IEEE 802.3ad → 802.1AX-2008
- Sub-Layer in OSI-Schicht 2
- Statisch oder dynamisch (mittels LACP) konfiguriert
Funktionen:
- Aggregation (Bündelung) mehrerer Ports zu einer logischen Verbindung
- Erhöhung der Bandbreite
- Redundanz durch mehrere Ports
- Loadbalancing zwischen physikalischen Ports
- Für gestackte Switches auch über Ports auf mehreren Switches
4.10 LACP – Link Aggregation Control Protocol
- Bildung einer LACP-Gruppe durch Linkzuordnung
- Maximale Anzahl LAG-Ports im Portchannel: 1–8
- LACPDUs (Link Aggregation Control Protocol Data Units):
- Versendet an Multicast-Gruppe
01:80:C2:00:00:02 - Für Statusinformationen (Link aktiv?, Prioritäten)
- Versendet an Multicast-Gruppe
- LACP-Pakete werden jede Sekunde gesendet (Keepalive; default: 30s, schnell: 1s)
Loadbalancing-Methoden:
- Quell- und Ziel-IP-Hash: Hash basierend auf Quell-/Ziel-IP-Adresse
- Layer 4 (TCP/UDP)-Hash: Hash basierend auf Quell-/Ziel-IP + Quell-/Ziel-Port
4.11 VRRP – Virtual Router Redundancy Protocol
- Standard: IETF RFC 2338
- Gruppe von Routern fungiert als ein virtueller Router (gemeinsame virtuelle IP + MAC)
- Master-Router: führt Paketweiterleitung durch
- Backup-Router: übernehmen bei Ausfall des Masters
Funktionsprinzip:
- Virtuelle IP-Adresse (VIP) wird von VRRP genutzt → Switch leitet Verkehr an Master
- Virtuelle MAC-Adresse ist dem Master zugeordnet
- Fällt der Master aus: VIP wird auf Backup übertragen
- Switch erfährt Ausfall indirekt: erhält ARP-Nachricht des neuen Masters → aktualisiert MAC-Adresstabelle
5. Prüfungsinfo
- Klausur: Mo., 4. Mai 2026 | 14:00–16:00 Uhr
- Räume: 6B.369 und 6B.371
- Raum 6B.369: länger reserviert für Nachteilsausgleich
- Betreuer: Schrenk und Albaradie