# Sicherungskonzepte – Zusammenfassung **Dozent:** A. Zimmermann | HWR Berlin | 2026 | **Folien 1–49** --- ## 1. Einführung (Folien 1–12) ### Datensicherheit (Folie 3) **Datensicherheit** = Alle technischen und organisatorischen Maßnahmen zum Schutz der Daten vor **Verfälschung, Zerstörung und unzulässiger Weitergabe**. - Informationssicherheit ist nicht nur Technik, sondern auch abhängig von **organisatorischen und personellen** Rahmenbedingungen - Das **BSI** (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) veröffentlicht das IT-Grundschutzhandbuch (ab 2005: IT-Grundschutz-Kataloge) unter www.bsi.bund.de ### Schadenskategorien (Folien 5–6) | Kategorie | Beschreibung | Beispiel | |---|---|---| | **Verlust der Verfügbarkeit** | Grundlegende Informationen nicht vorhanden | Keine Geldtransaktionen, Online-Bestellungen oder Produktionsprozesse möglich | | **Verlust der Vertraulichkeit** | Ungewollte Offenlegung von Informationen | Personenbezogene Daten, Umsatz, Marketing, Forschungsdaten gelangen an Konkurrenz | | **Verlust der Integrität** | Gefälschte Daten | Fehlbuchungen, falsche Lieferungen, fehlerhafte Produkte | | **Verlust der Authentizität** | Daten falscher Person zugeordnet | Zahlungsanweisungen zu Lasten Dritter, falsche digitale Willenserklärungen | ### Relevante Gesetze (Folie 7) | Gesetz | Kürzel | Jahr | |---|---|---| | Bundesdatenschutzgesetz | BDSG | 1990/2003/2009 | | Telekommunikationsgesetz | TKG | 2004 | | Telemediengesetz | TMG | 2007 | | Signaturgesetz | SigG | 2001 | | Diverse Landesdatenschutzgesetze | — | — | ### Grundprinzipien der Sicherheit (Folien 8–12) | Prinzip | Beschreibung | |---|---| | **Authentifizierung** | Subjekte (Benutzer, Rechner, Dienste) müssen ein Konto besitzen und sich mit gültigem Anmeldenamen + Kennwort anmelden; moderne DB erlauben auch Betriebssystem-Authentifizierung und Zertifikate | | **Autorisierung** | System muss Zugriffsrechte implementieren: Leserechte (ohne Änderung), Änderungsrechte (inkl. Lesen), volle Rechte (inkl. Weitergabe); Verweigerung/Entziehung möglich | | **Protokollierung** | Alle wichtigen Vorgänge müssen überwacht werden: Lesen/Ändern/Löschen, Anmeldung, DB-Start/Stop, Kontenverwaltung; Mindestangaben: **wer**, **was**, **wann**; in Oracle: **Auditing** | **Beispiel Verletzung:** Web-Server ordnet alle Anfragen einem pauschalen Konto zu → Verletzung der Authentifizierung → potenzieller Angreifer kann unsinnige Anfragen senden. --- ## 2. Integrität (Folien 13–23) ### Definition (Folie 14) **Integrität (Konsistenz)** = Zustand der Daten, in dem sie korrekt, vollständig und widerspruchsfrei sind. | Art | Beschreibung | |---|---| | **Semantische Integrität** | Werte gehören zum Wertebereich, richtige Datentypen, keine Tippfehler | | **Referentielle Integrität** | Korrektheit der Primär- und Fremdschlüssel, Existenz der Verweise | | **Logische Integrität** | Transaktionen, zusammengehörende Operationen | ### Gewährleistung der Integrität (Folie 15) | Ebene | Beschreibung | |---|---| | **Datenbank** (bessere Lösung) | Klauseln in DDL-Anweisungen | | **Anwendung** (zusätzliche Lösung) | Programmcode der Anwendung | **Vorteile der DB-Ebene** (Folie 16): - DB selbst gewährleistet Konsistenz → inkonsistente Zustände unmöglich - Ein-/Ausschaltbar (z. B. beim Import) - Standardisierte Möglichkeiten - Unabhängig von einzelnen Anwendungen - Schnellere Anwendungsentwicklung ### Integritätsverletzende Operationen (Folie 17) - **DML:** INSERT, UPDATE, DELETE - **DDL:** ALTER, DROP, RENAME ### Aktionen bei Integritätsverletzung (Folie 18) | Aktion | Beschreibung | |---|---| | **Rollback** | Abbrechen der Operation und Zurücksetzen auf Zustand davor | | **Cascade** | Propagieren der Operation auf alle beteiligten Tabellen | | **Set Null** | Betroffene Attribute auf NULL setzen | ### Referentielle Integrität (Folie 19) Die Werte eines **Fremdschlüssels** müssen auch als Werte des **Primärschlüssels** vorhanden sein. ### Constraint-Typen (Folie 20) | Constraint | Beschreibung | |---|---| | **PRIMARY KEY** | Attribut(e) bilden primären Schlüssel; automatisch wird Index angelegt (Oracle) | | **FOREIGN KEY** | Attribut(e) bilden PK in einer anderen Tabelle | | **ON DELETE CASCADE** | Löschen in PK-Tabelle löscht auch FK-Datensätze | | **NOT NULL** | Attribut muss einen Wert haben | | **UNIQUE** | Werte sind einmalig | | **CHECK** | Logischer Ausdruck muss wahr sein | ### Beispiele (Folien 21–22) ```sql CREATE TABLE Studenten ( MatrNr INTEGER PRIMARY KEY, Name VARCHAR(30) NOT NULL, Semester INTEGER CHECK Semester BETWEEN 1 AND 13 ); CREATE TABLE Professoren ( PersNr INTEGER PRIMARY KEY, Name VARCHAR(30) NOT NULL, Rang CHAR(2) CHECK (Rang IN ('C2', 'C3', 'C4')), Raum INTEGER UNIQUE ); CREATE TABLE voraussetzen ( Vorgaenger INTEGER REFERENCES Vorlesungen(VorlNr) ON DELETE CASCADE, Nachfolger INTEGER REFERENCES Vorlesungen(VorlNr) ON DELETE NO ACTION, PRIMARY KEY (Vorgaenger, Nachfolger) ); CREATE TABLE pruefen ( MatrNr INTEGER REFERENCES Studenten ON DELETE CASCADE, VorlNr INTEGER REFERENCES Vorlesungen, PersNr INTEGER REFERENCES Professoren, Note NUMERIC(2,1) CHECK (Note BETWEEN 0.7 AND 5.0), PRIMARY KEY (MatrNr, VorlNr) ); ``` ### Trigger (Folie 23) **Trigger** = Prozedur/Funktion, die bei bestimmten Ereignissen **automatisch** gestartet wird. **Auslöser:** - DML: INSERT, DELETE, UPDATE - DDL: CREATE, ALTER, DROP - An-/Abmeldung, Start/Stop der DB **Zeitpunkt:** | Zeitpunkt | Beschreibung | |---|---| | **BEFORE** | Vor der Änderung | | **AFTER** | Nach der Änderung | | **INSTEAD OF** | Statt der Änderung | --- ## 3. Rechte (Folien 24–31) ### User/Schema-Konzept in Oracle (Folie 25) - Zentral: **User (Benutzer)**, auch **Schema** genannt - Oracle-DB besteht aus verschiedenen Schemen, innerhalb derer ERM realisiert sind - Vordefinierte Benutzer: **SYS** und **SYSTEM** (alle Rechte) - Alle anderen Benutzer müssen erstellt und mit Rechten versehen werden ### Zugriffsrichtlinien (Folie 26) Klare Richtlinien sollten festlegen: wer darf zugreifen, auf welche Ressourcen, welche Zugriffsart, an welchen Tagen/Uhrzeiten, von welchen Computern, wer erlaubt/informiert/protokolliert/abrechnet. ### Sicherheitsmechanismen (Folie 27) | Mechanismus | Beschreibung | |---|---| | **DAC** (Discretionary Access Control) | Regel: {O, S, R, P, F} – Objekte, Subjekte, Zugriffsrechte, Prädikat, Recht zur Rechtevergabe | | **MAC** (Mandatory Access Control) | Hierarchie der Prozesse mit Markierungen (Einstufung); Kommunikation nur bei gleichem Niveau | ### Privilegien (Folie 28) | Typ | Beispiele | |---|---| | **Systemprivilegien** | Anmeldung, Anlegen/Löschen von Tabellen/Benutzern/Prozeduren, Abfragen von Systemtabellen, Verwaltung von Tablespaces | | **Objektprivilegien** | Abfragen von Tabellen, Ändern von Inhalten, Verwenden von Funktionen | **Empfehlung:** Sinnvolle **Rollenmatrix** erstellen; Benutzer bekommen keine Privilegien direkt, sondern über **Rollen**. ### Benutzerverwaltung (Folien 29–31) ```sql -- Benutzer erstellen DROP USER Student07; CREATE USER Student07 IDENTIFIED BY system DEFAULT TABLESPACE users TEMPORARY TABLESPACE temp QUOTA UNLIMITED ON users; -- Passwort ändern ALTER USER Student07 IDENTIFIED BY System01; -- Rolle erstellen und Rechte vergeben DROP ROLE StudentRole; CREATE ROLE StudentRole; GRANT CREATE session, CREATE table, CREATE view, CREATE synonym, CREATE procedure, CREATE trigger TO StudentRole; GRANT StudentRole TO Student07; -- Objektprivilegien (direkt, nicht empfohlen) GRANT SELECT ON Tabelle13 TO Student07, Student08; GRANT INSERT, SELECT ON Student03.TabelleA TO Student07; GRANT ALL ON database TO dba_user02; -- Spalten-basierte Rechte GRANT UPDATE (Spalte1), INSERT (Spalte2, Spalte3) ON Tabelle52 TO Student07; ``` **Befehle:** Nur **GRANT** (Rechte vergeben) und **REVOKE** (Rechte entziehen). --- ## 4. Backup (Folien 32–49) ### Definition (Folien 33–34) **Backup (Datensicherung)** = Speicherung der Daten, mit der ein System nicht direkt arbeitet. **Eigenschaften:** - Kann mehrere Dateien und Verzeichnisse beinhalten - Kann wie eine oder mehrere Dateien aussehen - Kann verschlüsselt und/oder komprimiert sein - Kann sich über mehrere Datenträger verbreiten **Backup-Archiv** = Sammlung von mehreren Backups. **Zwecke:** 1. Wiederherstellung nach Absturz 2. Wiederherstellung eines bestimmten Zeitpunkts für Statistik (z. B. Jahresbericht) 3. Wiederherstellung für planmäßige Funktionalität (z. B. Forschungsprojekte) **Regel:** In allen nicht privaten Systemen muss man immer Backup planen und regelmäßig durchführen. ### RAID (Folien 35–38) **RAID** (Redundant Array of Inexpensive/Independent Disks) ist **kein Backup**! | Eigenschaft | Beschreibung | |---|---| | Funktion | Redundante Speicherung auf mehreren Festplatten | | Bei Ausfall | Daten können von anderer Platte gelesen/geschrieben werden | | Hot-Swap | Kaputte Platte im laufenden Betrieb austauschbar | | Software-RAID | Von fast allen Betriebssystemen unterstützt | | Hardware-RAID | Betriebssystemunabhängig | - RAID erfüllt **keine** Backup-Funktionen - RAID kann als **Speicherort** für Backup verwendet werden ### Oracle Backup-Tools (Folie 39) | Tool | Beschreibung | |---|---| | **exp/imp** | Ältere Versionen | | **expdp/impdp** | Neuere Versionen (Data Pump) | | **RMAN** | Recovery Manager | **Weitere Tools (Folie 40):** Linux (cp, tar, bzip, gzip, dd), Windows (copy, Server-Sicherung), Drittanbieter (Acronis, Paragon, Fwbackups, Bacula). ### Backup-Medien (Folien 41–42) | Medium | Beschreibung | |---|---| | **DAS** | Direct Attached Storage (lokale Festplatte) | | **NAS** | Network Attached Storage (Netzwerk) | | **SAN** | Storage Area Network (Netzwerk) | | Magnetband | Bandlaufwerk mit Roboter, bis zu 4 GiB | | CD/DVD/Blu-Ray | Optische Medien | | USB-Geräte | Externe Speicher | | FireWire-Geräte | Externe Speicher | | Cloud | Sicherheit bedenklich | **Generationsprinzip (Großvater–Vater–Sohn):** - 3 Datenträger rotierend: 1. Sicherung → Großvater, 2. → Vater, 3. → Sohn - 4. Sicherung: Großvater wird zum Sohn überschrieben, Rollen rotieren - Je mehr Datenträger, desto sicherer ### Backup-Methoden (Folie 43) | Methode | Beschreibung | |---|---| | **Online/Hot Backup** | DB läuft weiter, Daten werden im laufenden Betrieb gesichert; Gefahr: nicht-konsistenter Zustand; DB liefert spezifische Lösungen | | **Offline/Cold Backup** | DB wird heruntergefahren, geschlossene Dateien kopiert; Datenbestand ist **immer konsistent** | ### Sicherungsarten (Folien 44–47) | Art | Umfang | Markierung? | Wiederherstellung | Vorteil/Nachteil | |---|---|---|---|---| | **Normal** | Alle ausgewählten Daten | Ja (als gesichert) | Nur diese Sicherung | Einfach, aber groß | | **Kopie** | Wie Normal | Nein | — | Keine Auswirkung auf andere Strategien | | **Täglich** | Nur heute geänderte Daten | Ja | — | Klein, tagesbezogen | | **Inkrementell** | Nur seit letzter Sicherung geänderte Daten | Ja | Letzte Normal + alle Inkrementellen in Reihenfolge | Wenig Zeit/Speicher, aber aufwändige Wiederherstellung | | **Differenziell** | Nur seit letzter normaler Sicherung geänderte Daten | Nein | Letzte Normal + letzte Differenzielle | Einfache Wiederherstellung, aber wachsende Größe | ### Sicherungsstrategien (Folie 48) | Strategie | Beispiel | |---|---| | Nur normale Sicherungen | Monatlich | | Normal + Inkrementell | Jährlich normal, monatlich inkrementell | | Normal + Differenziell | Jährlich normal, monatlich differenziell | **Wichtig:** Anforderungen des Unternehmens und Speicherbedarf müssen berücksichtigt werden. --- ## Zusammenfassung | Bereich | Kernkonzepte | |---|---| | **Grundprinzipien** | Authentifizierung, Autorisierung, Protokollierung | | **Integrität** | Semantisch, Referentiell, Logisch; Constraints (PK, FK, NOT NULL, UNIQUE, CHECK); Trigger | | **Rechte** | DAC/MAC, System-/Objektprivilegien, Rollen, GRANT/REVOKE | | **Backup** | Hot/Cold, Normal/Inkrementell/Differenziell, RAID ≠ Backup, Generationsprinzip |